... zu den Studiengebühren gegen gemeinnützige Arbeit ein Leserbrief
Artikel aus der Stuttgarter Zeitung Ausgabe Kreis Göppingen (Nr. 57) vom Dienstag, den 10. März 2009, Seite Nr. 36
Der Städtetag hat recht: Die gute Idee von Bürgermeister Dieter Mörlein in Eppelheim, Studenten die Studiengebühren zu ersetzen, wenn sie in der Gemeinde 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit übernehmen, verdiente eine breite Resonanz. Sie nutzt das Engagement von Jungakademikern für vielseitige Bildungs- und Sozialprojekte und erweitert die kulturellen Spielräume der Kommune. Sie hilft aber auch den Studenten, die Studiengebühren zu finanzieren und Erfahrungen zu sammeln, welche die Hochschulen nicht bieten können. Dass diese Idee auch aus der Mitte der Bürgerschaft aufgegriffen werden kann, zeigt das Beispiel eines Stuttgarter Rotaryclubs, der fünf Pädagogikstudenten die Semestergebühren erstattet, während diese an einer Grund- und Hauptschule mit hohem Zuwandereranteil individuellen Nachhilfeunterricht geben. Die positiven Erfahrungen haben wiederum ein größeres Projekt inspiriert, das unlängst das Deutsch-Türkische Forum Stuttgart e. V. der Öffentlichkeit vorgestellt hat: In dem Programm „Agabey & Abla" („Großer Bruder - Große Schwester") erhalten Studenten mit türkischem Hintergrund Stipendien in Höhe der Studiengebühren, wenn sie sich um türkischstämmige Schüler kümmern und diese mit Rat und Tat unterstützen. Das Stipendienprogramm, das von der Robert Bosch Stiftung gefördert wird, wurde für 50 Studenten und Gymnasialschüler ausgeschrieben, die derzeit ausgewählt und auf ihre neue Aufgabe vorbereitet werden. Sie werden an vier Stuttgarter Schulen tätig werden. Wenn das Projekt erfolgreich verläuft, kann es als Vorbild für eine breitere Bildungsoffensive dienen, welche die hierzulande unterentwickelte Begabtenförderung mit dem Ausbau eines schulischen Tutorensystems verbindet, das zudem unterschiedliche Herkünfte nicht als Handicap, sondern als Chance nutzt.